Neues über Neti - die Nasenspülung

 

Die Idee, die Nase mit lauwarmem Salzwasser zu spülen, scheint universal zu sein. In diesem Bericht werden wir einige bewährte Erfahrungen und neue Erkenntnisse über diese einfache und erfrischende Übung erläutern.

 

 

Die Nasenspülung, auch Neti genannt, ist eine Übung aus dem Yoga. Es gibt sie aber eigentlich in allen Teilen der Welt als Hausmittel gegen Erkältung und allerlei Beschwerden in der Nase und den Atemwegen.

Vor einigen Jahren hatten wir bei Yoga und Meditation im Zentrum eine Schülerin aus Spanien. Als ich Neti vorstellte, rief sie spontan aus: „Ach, Nasenspülung, das machen wir alle zuhause in Spanien ”.  Ein anderer Kursteilnehmer hatte in seinem Urlaub in Afrika jemanden die Nase spülen sehen, da es, wie es hieß, “die Gedanken reinigt”.

Ende des 19. Jahrhunderts konnte man hierzulande Nasenspülkannen in den verschiedensten Ausführungen in der Apotheke kaufen. Im letzten Jahrhundert verschwand die Nasenspülung dann wieder, um mit dem wachsenden Interesse an Yoga wiederentdeckt zu werden. Und das aus gutem Grund, denn die Nasenspülung ist das Beste, was man für seine Nase und Schleimhaut tun kann. Manche Menschen berichten, dass sie keine Erkältung mehr bekamen, nachdem sie begonnen hatten täglich ihre Nase zu spülen. Sollte sich dennoch eine Erkältung anbahnen, gibt es nichts besseres als den Schleim auszuspülen und die Nase frei zu bekommen. Eine Erkältung ist dann auch schneller vorbei.

Bei Nebenhöhlenentzündungen und Heuschnupfen ist die Nasenspülung ebenso hilfreich und auch eine wichtige Pflege des Geruchssinns.

Klimaanlagen und trockene Heizungsluft können die Nase auf eine harte Probe stellen und die Schleimhäute austrocknen lassen. Eine Flugbegleiterin aus meinem Schülerkreis hat deshalb immer ihre Spülkanne im Reisegepäck.

Auch wenn man sich in staubiger oder verschmutzter Luft aufgehalten hat, ist Neti eine Wohltat.

Vor kurzem kam eine Frau in die Schule und kaufte eine zweite Nasenspülkanne. Sie hatte ihren Freund von der Nasenspülung überzeugt und seitdem schnarcht er weniger. Die Nasenspülung kann also auch gegen diese Beschwerden helfen.

 

Isotonisches lauwarmes Salzwasser

Wer jemals im Mittelmeer gebadet hat, weiß wie die Nase beim Schwimmen unter Wasser gereizt wird. Die Salzkonzentration im Mittelmehr liegt im Schnitt bei 3,5%. Für die Nasenspülung wird handwarmes Wasser mit einer Salzkonzentration von nur 0,9% Salz verwendet. Dies entspricht dem Salzgehalt des Körpers und somit ist die Spülung sehr angenehm. Meersalz ist dabei jedoch nicht unbedingt zu empfehlen, da einige Menschen darauf allergisch reagieren und eine verstopfte Nase bekommen. Wir empfehlen Steinsalz, am besten ohne chemische Substanzen wie Rieselstoff und Jod.

 

Die Nasenspülung und die Bundeswehr

Welche Bedeutung die Nasenspülung als eine einfache Anwendung gegen Erkältungskrankheiten hat, zeigt folgende Studie deutlich.

88 Rekruten der Bundeswehr nahmen an einer 6-wöchigen Studie teil, wobei 27 Rekruten sich je morgens und abends die Nase spülten und 61 Kameraden als Kontrollgruppe dienten. Während der ersten drei Wochen gab es kaum einen Unterschied zwischen den beiden Gruppen, in den letzten drei Wochen dagegen sehr deutlich: Die Krankentage der Neti-Anwender waren nun 5-6fach verringert!

„Die erbrachten Ergebnisse demonstrieren eindrucksvoll die Einfachheit dieser Methode und weisen darauf hin, dass die Nasenspülung für die Probanden deutlich angenehm ist“ schreibt Herbert Plümer in seiner Dissertation zur Erlangung seines Doktorgrades.

Und weiter:

„Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen die Vermutung, dass die volle protektive und symptomlindernde Wirkung der Nasenspülung nicht unbedingt gleich von Anbeginn zu erwarten ist“.

 

Weitere Forschung über die Nasenspülung

Eine spätere und umfassendere Untersuchung der Medizinischen Hochschule Hannover mit über 600 Freiwilligen aus verschiedenen Firmen in Hannover ergab ein detailliertes Bild über die Wirkung des täglichen Spülens. Die Hälfte der Gruppe spülte drei Monate lang täglich. In den folgenden drei Monaten nahmen sie ein Placebo ein, eine Multivitamin-Brausetablette. Die zweite Hälfte der Probanden direkt umgekehrt. Täglich wurde ein Fragebogen ausgefüllt und nach  Abschluss der Studie wurden die Daten erfasst und analysiert.

85% der teilnehmenden Probanden gaben an, weniger erkältet zu sein. Die Teilnehmer hatten 25% weniger Halsschmerzen und weniger Schleimproduktion. Grippe verringerte sich um ein Drittel. Ein weiterer interessanter Befund: Bei Menschen mit häufig vorkommender Übelkeit kam dies in der Zeit, in der sie die Nase spülten, 50% weniger vor.

Professor Schwartz, damals Direktor des Instituts für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheits-systemforschung der Medizinischen Hochschule Hannover, unterstreicht, dass die Nasenspülung eine wichtige Rolle der Erkältungsprävention darstellt:

 „Der regelmäßige Gebrauch der Nasenspülung sollte so selbstverständlich wie die regelmäßige Zahnpflege werden“, sagte Schwartz.

Eine Studie aus Schweden untersuchte 48 Angestellte in der Möbelindustrie. Sie waren zum größten Teil Staub vom Schleifen, Sägen, Schneiden und Fräsen von Holz ausgesetzt.

Als Folge dessen hatten die Arbeiter Beschwerden wie verstopfte und triefende Nasen, Juckreiz, Irritation und Niesen. Die 3-wöchige Unter-suchung zeigte eine signifikante Senkung dieser Beschwerden und eine signifikant verbesserte Atemfunktion. Man suchte in dieser Studie nach neuen präventiven Massnahmen gegen den Krebserreger Holzstaub.

Weitere Untersuchungen zeigen starke Verbesserungen in der Behandlung von Nasennebenhöhlenentzündung und der Selbst-reinigungsfunktion der Schleimhaut. Behandlungsrichtlinien in den USA und in Kanada sprechen deshalb eine generelle Empfehlung der Nasenspülung zur Behandlung von Nasennebenhöhlenentzündung aus.

Auch EPOS, European Position Paper, eine Arbeitsgruppe der European Academy of Allergology and Clinical Immunology (EAACI) empfiehlt die Nasenspülung als eine first-line Therapie gegen chronische Rhinosinusitis, Entzündung der Schleimhaut und der  Nasennebenhöhlen.

 

Ärzte empfehlen die Nasenspülung

Pär Stjärne, Oberarzt und Dozent am Karolinska Universitätskrankenhaus, Huddinge, Schweden, ist seit vielen Jahren Fürsprecher der Nasenspülung und empfiehlt seinen Patienten regelmäßig zu spülen. „Die Funktion der Nase ist für den Körper wichtiger als die meisten vermuten. Eine verstopfte Nase kann zur Folge haben, dass man weniger schläft und dies wiederum kann mit der Zeit zu Beschwerden führen, z.B. erhöhten Blutdruck”.

Die Nasenspülung beeinflusst auch die unteren Atemwege: „Wir haben u.a. bei Asthmapatienten festgestellt, dass Verbesserungen der oberen Atemwege auch die unteren Atemwege verbessern” erläutert Dr. Pär Stjärne.

 

Spül die Nase, weil es angenehm ist

Gut durch die Nase atmen zu können hat eine große Bedeutung für die Gesundheit, für die Sauerstoffaufnahme *) und die Funktionsweise der Nase. Für die meisten Menschen ist die vitalisierende Wirkung aber der ausschlaggebende Grund, die Nase zu spülen. Eine Dusche hat eine erfrischende und entspannende Wirkung und das ist bei der “Dusche für die Nase” nicht anders.

Schornsteinfegermeister Torsten Symalla aus Hannover-Linden spült berufsbedingt täglich die Nase und sagt begeistert:

„Man kann sich gar nicht vorstellen, was ich alles nach Feierabend aus der Nase spüle“  und weiter: „Ich spüle aber sowieso jeden Tag die Nase, auch wenn ich nicht arbeite. Einfach weil es so gut tut.“

 

 

 

von Hamsananda, Yoga- und Meditationslehrer

„Eine wohl funktionierende Nase ist eine Voraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden. Die Nase hat einen ausgeklügelten Luftfilter, einen hocheffektiven Wärmetauscher/Luftbefeuchter und ein Alarmsystem, das einen Angriff signalisieren kann. Die Nase ist außerdem Sitz des Geruchssinns, der dem Leben eine extra Goldkante verleiht.

Der Geruchssinn ist auch Teil des Signalsystems, er macht uns auf Gefahren in der Umgebung aufmerksam (z.B. Rauch, Gas u.ä.).

Bei Erkältung und anderen Infekten in der Nase sammeln sich tote Zellen sowie Viren und Bakterien auf der Schleimhautoberfläche an. Mit der Nasenspülung hilft man, diesen Schleim loszulassen und kann damit den Teufelskreis durchbrechen.

So wird die Balance in der Schleimhaut wiederhergestellt und die Symptome werden schnell gelindert.“

 

Dr. Pär Stjärne,

Oberarzt und Dozent an der Hals-, Nasen-, Ohren- Klinik des Karolinska

Universitätskrankenhauses, Huddinge, Schweden